Ein Besuch beim Tierarzt ist meistens verbunden mit emotionalen Stress. Für Besitzer und Tier. Entweder geht es dem Tier gesundeheitlich nicht gut, oder die emotionale Ausstrahlung des Besitzers wird von unseren sehr sensiblen Tieren erkannt und aufgenommen. Dadurch ist die Grundlage für einen Tierarztbesuch nicht optimal.

Aber auch bei einer Standarduntersuchung, oder wiederkehrenden Notwendigkeiten, wie Impfung, Krallen schneiden oder Analdrüsen entleeren kann sich als eine Stresssituation entpuppen.

Für einen Besitzer ist es sinnvoll sich selber den Besuch in einer Praxis als notwending und einen Weg zu einer Besserung zu sehen. Natürlich ist es utopisch, dass immer Alles gut wird.

Der Gedanke „Wenn ich nicht hingehe, dann wird auch nichts gefunden“ oder „Wäre ich mal nicht hingegangen. Jetzt ist mein Hund krank!“

Eine Diagnose hat noch nie ein Tier krank gemacht, sondern diese Krankheit nur dargestellt. Immer wieder kommt es vor, dass jemand in die Praxis kommt wegen einem bestimmten Problem oder einer aufgefallenen Symptomatik. Dann ist die Erwartungshaltung so, dass dieses Problem behoben werden soll.

Zu jeder Behandlung eines Tieres gehört eine Allgemeine Untersuchung. Ab und an erkennt man zwar, dass die geschilderte Problematik wirklich vorhanden ist, aber dass es noch weitere Baustellen gibt. Geschieht dies, dann kann man als Tierarzt dies nicht einfach ignorieren.

Emotional verändert sich dann die Situation in eine Richtung in der manche Besitzer das Gefühl haben, dass Sie ja wegen Problematik XY gekommen sind und plötzlich ein Tier haben, welches z.B. eine Herzproblematik hat.

Gerade das Herz ist etwas, was von Besitzern oft nicht bedacht wird. Ältere Tiere neigen, wie auch Menschen, zu Herzproblemen und können dadurch klassische Symptome wie Abfall von Ausdauer oder Husten entwickeln. Dadurch entsteht dann der Eindruck, dass das Tier wohlmöglich eine Erkätung hat, während die Anzeichen nur die Ausbildung des unterliegenden Problems darstellen.

Die Sorge mit seinem Tier zum Tierarzt zu gehen ist manigfältig wie berechtigt.

  • Was hat mein Tier bloß?
  • Ich hoffe der Tierarzt findet raus was los ist.
  • Hoffentlich muss mein Tier keine Spritzen haben, weil sie/er dann immer so kreischt.
  • Ich kann kein Blut sehen.
  • Aber eine Operation will ich nicht. Wegen der Narkose.
  • Ja, ich sehe, dass dies eine Wunde ist. Aber einen Halskragen will ich nicht.
  • Ich hoffe mein Tier wird wieder gesund.
  • Mein Tier MUSS wieder gesund werden.
  • Es darf aber nicht teurer als …. € werden.

Viele Fragen und Gedanken, welche man sich auf dem Weg zum Tierarzt und im Wartezimmer innerlich stellen, mit sich selbst diskutieren und nicht beantworten kann. Langsam redet man sich in den Wahnsinn.

Niemand von uns mag schlechte Nachrichten. Wieso auch? Gerade die Hoffnung ist etwas an dem wir ewig lange festhalten und dies auch nicht loslassen wollen.

Es liegt aber auch in der Verantwortung des Tierarzte den Besitzern zu helfen die richtige Entscheidung zu treffen. Manchmal kann man nichts mehr machen, oder die Therapie, welche die Lebensqualität von dem Patienten verbessern würde, ist so teuer, dass dies ökonomisch einfach nicht möglich ist. Dann gibt es leider nur einen Weg.

Auch bestimmte Problematiken, Krankheiten oder nach massivem Trauma erlauben keine erfolgreiche Therapie.

In Serien und Filmen haben wir häufig gesehen, dass es doch immer noch eine Möglichkeit gibt. Diese eine ganz bestimnmte Therapie, die wieder alles gut macht und wir zum Schluss ein Happy End haben. Aber leider ist die Realität nun einmal ganz anders.

Als darf ich diese Angst haben? Oder ist mir dies untersagt?

Natürlich darf man Sorgen und Ängste haben. Teilen Sie ihre Gedanken mit uns so ehrlich, wie sie nur können, sodasss wir genau ihre Situation verstehen. Wir haben immer das Ziel das Beste für ihr Tier zu tun. Die beste Lösung oder den besten Weg zu finden.

Das Ziel mag variable sein. Immer nur Happy Ends gibt es im echten Leben nicht. Sogar Dr. House konnte nicht alle retten. Aber fast.

Angst, Sorge, Hoffnung, Freude, Genesung und Abschied.
All dies liegt so nah beieinander.

Aber die Entscheidung zu treffen die Augen zu verschließen und es wie die drei Affen zu machen. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

Dies ist keine Option, die wir als Tierbesitzer haben.

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Ein Tierarztbesuch ist stressig. Vielleicht hört man etwas, auf das man nicht vorbereitet ist und auch vielleicht nicht hören möchte.

Auch wir, als Tierärzte, wollen unseren Kunden gefallen und den besten Kundenservice bieten, welcher möglich ist. Aber die Wahrheit kann weh tun. Sei diese klein wie „Ihr Hund ist wirklich viel zu dick!“ oder massiv groß wie „Es tut mir Leid, wir können nichts mehr für Nala tun, und das Beste wäre es sie einzuschläfern!“

Mit dem Besitz eines Tieres übernehmen wir eine unglaublich große Verantwortung und wir müssen dieser gewahr werden, ob wir dies wollen oder nicht. Ist man nicht bereit dies zu tun, dann sollte man sich überlegen, ob man sich ein Tier anschaffen sollte oder nicht.

Liebe, Angst, Sorge, Hoffnung, Freude, Schmerz und Abschied. So nah bei einander, so verschieden.

Aber genau deswegen ist es so wunderbar einen treuen Begleiter an seiner Seite zu haben mit und für den wir diese Gefühle entwickeln können.

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