Die Reise zur Diagnose

Jeder der mit seinem Tier zu einem Tierarzt geht, macht dies meist aus zwei verschiedenen Motivationen heraus. 

Die beiden Motivationen fassen wir in unserem Missionziel passenderweise wie folgt zusammen. 

Prävention vor Reaktion

Diese Tierhalter kommen zu ihrem Tierarzt, weil sie entweder Etwas verhindern möchten, oder weil sie Etwas bei ihrem Tier bemerkt haben, auf was sie reagieren, da dies womöglich die Gesundheit von ihrem Tier beeinträchtigt oder Aufschluss auf die momentäre gesundheitliche Status von ihrem Tier hinweist. 

Beide Gründe sind absolut valide, um mit seinem Tier ein Tierarztpraxis oder -klinik zu betreten. 

Der erste Wunsch, welcher dem Absolutem vorsteht, ist der Wunsch, dass einem gesagt wird, was den die vorliegende Problematik genau ist. Danach steht der direkte Wunsch von einem erfolgreichen Behandlungsvorschlag inkl. freundlicher Preisgestalltung im Raum. 

All dies soll in einem zeitlich knapp gefassten Rahmen passieren – also so ziemlich jetzt sofort. 

Gerade wenn diese zeitliche Wunschvorstellung nicht zu hundert Prozent erfüllt werden kann, dann kommt es häufig zu einer initialen Enttäuschung. Hier scheint es, gerade bei Tierhaltern, welche entweder das Glück haben, dass sie nie einen Tierarzt aufsuchen müssen, oder bei solchen die Tierarztbesuch-Neulinge sind, dass sich hier eine gedankliche Hoffnung entwickelt hat, die etwas größer ist, als das Ergebnis, welches meistens geliefert werden kann. 

Das Problem der Erwartungshaltung, welche in der jetzigen Gesellschaft, wahrscheinlich durch den Online Handel aus Bellevue, Washington (USA) motiviert, nicht mehr durch Geduld einer Lieferung, sondern einem Next-Day-Delivery auf absolute Geschwindigkeit steht, kollidiert hier mit dem Möglichen. 

Bevor ein Tierhalter in einem Behandlungsraum sich befindet sind einige vorherige Etappenziele erreicht worden.

Beginnend steht die Erkenntnis oder der Verdacht, dass es dem Tier nicht absolut gut geht und das es notwendig ist sich den Plan zu fassen zum Tierarzt zu gehen. Hierzu gehört entweder der Schritt des Termins oder ein Besuch in einer offenen Sprechstunde. Je nach Schweregrad der vorliegenden Problematik und Sorge des Besitzer, sowie der Verfügbarkeit des Termins, kann dies einen Zeitunterschied von ein paar Stunden bis zu ein paar Tagen mit sich bringen.

Ist der Zeitpunkt des Besuchs gekommen, so begeben sich Patient und Tierhalter zur Praxis ihres Vertrauens. Hier angekommen verbringt man eine kurze Zeit an der Anmeldung und eine variable Zeit im Wartezimmer, bevor man in den Behandlungsraum gerufen wird.

Während dieser Zeitspanne von „Ich glaube wir sollten zum Tierarzt“ bis „Der Nächste bitte!“ beschäftigt sich der Tierhalter gedanklich, visuell und manchmal auch digital mit der wahrscheinlichen Problematik des eigenen Tieres. Diese Zeit kann dann schob beträchtlich lang sein.

Nun kommt es zu der Situation, bei der nachdem die Tür hinter Tier und Mensch geschlossen ist und der Patient sich auf dem Tisch befindet, dass der Tierarzt Fragen stellt und den Grund des Besuches erfragt.

Nun erreichen wir den kritischen Punkt, welcher zur tierhalterlichen Enttäuschung führen kann, und zwar in der das JETZT SOFORT zu tragen kommt, denn man möchte direkt eine Antwort haben. Klar, teilweise bei einer sehr eindeutigen Problematik ist dieses möglich. Aber meisten ist der vorliegende Umstand doch etwas undurchsichtiger.

Hier kommen nun die klassischen Schritte der Reise zur Diagnose zu tragen.

  1. Anamnese -> Frage – Antwort – Spiel ; um die wichtigen und passenden Informationen zu erfahren. Hier ist die Kunst die richtigen Fragen für die wichtigen Stichpunkte und Informationen zu stellen. Oft ist es so, dass Tierhaltern mache Informationen erwähnenswert vorkommen, welche eher unwichtig sind, während sehr wichtige Bausteine unerwähnt bleiben. Deswegen kommt es beim Tierarzt vermehrt zu detailliertem Nachfragen.
  2. Allgemeine Untersuchung – Je nach vorliegenden Symptomen wird der Patient untersucht. Manuell oder mit der Hilfe von kleinen Gerätschaften. Dadurch sammelt man wichtige Informationen oder überprüft einen bestimmten Verdacht, der sich durch die Fragen leicht ergeben hat. Die Differential Diagnosen-Liste. Also eine Eingrenzung und Überprüfung der initialen Gedanken.
  3. Weiterführende Diagnostik – Je nach Problemlage ist dieser Schritt sehr wichtig. Dies mag ein Ultraschall, Röntgenbilder, Blut-, Urin- oder Kotuntersuchungen sein.

Gerade dieser Punkt ist der Moment an dem es zu der oben genannten Kollision zwischen Hoffnung, Wunsch und Erwartung mit dem wahrhaftig Umsetzbaren kommt. Der Tierhalter möchte direkt eine klare Antwort über die Problematik des geliebten Tieres haben und ist machmal enttäuscht, wenn diese Kundenerwartung mit der angebotenen Dienstleistung nicht erfüllt werden kann.

Gleichzeitig bedeutet weitere Diagnostik eine höhere Rechnung und eine längere Zeit in der es keine Antwort gibt. Direkt formuliert wird dies von Tierhaltern nie, aber manche schaffen es mit ihren Augen einem zu sagen „Warum wissen Sie das denn nicht direkt? Sind sie kein guter Tierarzt?“.

Uns erscheint es oft so, dass gerade die Erfahrungen mit den TV-Tierärzten zu dieser Erwartungshaltung der direkten Antwort geführt haben, da man hier, durch clevere Schnitttechnik, nicht sieht, wie lange eine Untersuchung oder Wartezeit dauert. Außerdem wird die Preisgestaltung dieser Diagnostik und späteren Behandlungen natürlich auch nicht öffentlich diskutiert.

4. Diagnose und Behandlung – Wenn nun alle notwendigen Informationen gesammelt wurde, dann kommt es schlussendlich zu einer Entscheidung. Deutet alles ganz direkt auf EINE Problematik hin, dann kann diese ja gezielt angegangen werden. Teilweise kommt es aber auch zu dem Punkt, bei der eine Problematik eingegrenzt werden kann, aber nicht absolut festgesetzt wird, da dies einfach nicht klar ist. Hier werden dann je nach Problematik, Symptomen und Befunden die Schritte gemacht, welche zusammen eine Entwicklung der Gesundheit in die richtige Richtung favorisieren.

Gerade dieser Punkt ist auch öfters ein Dorn im Auge von manchen Tierhaltern, da sie diesen einen Grund der zur Verschlechterung des Gesundheitszustandes ihres Tieres geführt hat, wissen wollen. Einerseits zur verständlichen Klarheit der Problematik, aber auch zur zukünftigen Verhinderung von diesem auslösenden Problem.

Ein jeder Tierarzt hätte sehr gerne die Möglichkeit diese Antwort jedes Mal genau zu geben, und so die absolute Sicherheit für den Erfolg der Behandlung zu haben. Leider ist dies unmöglich und absolute Sicherheit hat man, wenn es nicht um Maschinen und Ersatzteile geht, auch nicht.

So werden Behandlungen oft auf der Grundlage der symptomatischen Behandlung gemacht und das Abklingen und letztendliche Verschwinden der Anzeichen und die Wiederherstellung des normalen Gesundheitszustandes des Patienten werden dann als Erfolg gewertet, ohne manchmal einen korrekten Auslöser zu haben.

Die Reise zu einer Diagnose und der erfolgreichen Behandlung eines Patienten hat erkennbar viele wichtige Schritte bei denen vielen informative Zahnräder exakt ineinander greifen müssen, sodass das der Motor „Gesundheit“ schlussendlich ohne zu stottern laufen kann.